Initiativgruppe "Burden of Disease in Deutschland"

Initiativgruppe "Burden of Disease in Deutschland"

Aktuelles

Aktuell wird das Thema "Burden of Disease" von vielen europäischen Ländern aufgegriffen. So haben einige Länder wie England oder Norwegen bereits nationale Studien in Zusammenarbeit mit dem Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) durchgeführt, einige Länder planen solche Untersuchungen und weitere Länder haben das Interesse an nationalen Studien zur Krankheitslast bekundet. Im Auftrag der europäischen Länder, die ein starkes Interesse an der Durchführung von Burden of Disease Studien verkündet haben, wird das WHO Regionalbüro für Europa eine Plattform ins Leben rufen, die es den Ländern ermöglichen wird Erfahrungen auszutauschen und die methodische Entwicklung voranzutreiben um koordiniert und harmonisiert bei der Durchführung nationaler Studien vorzugehen. Auch Deutschland wird sich an dem European Burden of Disease Network (EBoDN) beteiligen um eine nationale Studie in Deutschland weiter zu forcieren.

Hintergrund

Die „Global Burden of Disease“ (GBD)-Studie hat das Ziel, die Gesundheits- und Krankheitslage der Weltbevölkerung umfassend und vergleichbar zu beschreiben. Unter Berücksichtigung moderner Modellierungsverfahren werden epidemiologische Daten genutzt, um die Public Health Relevanz verschiedener Krankheiten, Verletzungen und Risikofaktoren darzustellen. Zur Erfassung von Krankheitslast als Zielgröße werden Informationen zur Mortalität (verlorene Lebenszeit) und Morbidität (gesundheitliche Einschränkungen) herangezogen, um eine kombinierte Maßzahl zu berechnen, die Disability-Adjusted Life Years (DALYs). Einen wichtigen Stellenwert nimmt zudem die Ermittlung attributabler Risiken durch Berücksichtigung von Daten zu wichtigen verhaltens- und verhältnisbezogenen Risikofaktoren ein. Die Ergebnisse ermöglichen Aussagen zu zeitlichen Trends und internationalen Vergleichen. Darüber hinaus können sie als eine Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungsfindungsprozesse dienen.
Die erste GBD-Studie wurde Ende der 1980er Jahre von der Weltgesundheitsorganisation, in Zusammenarbeit mit der Welt Bank sowie der Harvard School of Public Health durchgeführt und lieferte einen umfassenden Überblick zur gesundheitlichen Lage der Weltbevölkerung für das Jahr 1990 und verschiedene Länder und Regionen (Murray and Lopez 1997). Datengrundlagen und Analysemethoden sind seit 2006 durch das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME; Seattle, USA) fortlaufend weiter ausgebaut worden, so dass heute aktualisierte Einschätzungen der Krankheitslast regelmäßig wiederkehrend und zeitnah durchgeführt werden können. Die aktuelle Studie zeigt Ergebnisse für den Untersuchungszeitraum 1990 bis 2013 (http://www.healthdata.org/gbd) die folgende Aktualisierung wird im Laufe des Jahres 2016 angestrebt.

„Burden of Disease“ in Deutschland

Entscheidend für die Qualität der Ergebnisse der GBD-Studie, insbesondere für die einzelnen Länder, ist zum einen die Verbesserung der Datengrundlage durch ein eng geknüpftes Netzwerk internationaler Kooperationspartner, die Verfügbarkeit und Qualität der eingehenden Daten aber auch die Analyse-Ergebnisse für ihre Länder beurteilen und bei Bedarf korrigieren können. Zum anderen wird im Rahmen der GBD-Studie kontinuierlich an einer Weiterentwicklung der Analysemethoden gearbeitet. Hierdurch eröffnen sich Perspektiven, die es ermöglichen:

• die gesundheitliche Lage der Bevölkerung eines Landes kontinuierlich zu betrachten und neue gesundheitliche Herausforderungen rechtzeitig zu identifizieren
• regionale Differenzierungen der Krankheitslast vorzunehmen
• Veränderungen über die Zeit, im Sinne der Public Health Begleit- und Evaluationsforschung zu interpretieren und Handlungsmaßnahmen für die Gesundheits- und Umweltpolitik abzuleiten

Zunehmend werden vor diesem Hintergrund auch länderspezifische Analysen zur Entwicklung der Krankheitslast durchgeführt. Beispiele sind Analysen zur zeitlichen Entwicklung unter regionaler Differenzierung in China und Norwegen sowie nach sozialräumlichen Kriterien in England.

Voraussetzungen für solche Analysen sind eine zeitlich und räumlich ausreichend detaillierte Datenverfügbarkeit, eine Anpassung der Fragestellungen an länderspezifische Herausforderungen und eine Beteiligung an der methodischen Weiterentwicklung. In Deutschland bestehen mit dem bundesweiten Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts gute Voraussetzungen, um in Kooperation mit verschiedenen wissenschaftlichen Partnern im In- und Ausland eine nationale BoD-Studie zu etablieren.
Die Initiativgruppe „Burden of Disease in Deutschland“ wurde 2014/2015 von Christa Scheidt-Nave (Robert Koch-Institut, RKI), Hajo Zeeb (Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS) und Dietrich Plaß (Umweltbundesamt; UBA, ehemals Universität Bielefeld) gegründet. Ein erster Workshop unter Federführung des Robert Koch-Instituts, des Umweltbundesamts und der Universität Bielefeld wurde mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Universitäten, Forschungsinstitute, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und Experten des IHME im Dezember 2015 durchgeführt. Eine Zusammenfassung der Beiträge und Ergebnisse des Workshops wurde im Rahmen eines Proceedings-Bandes veröffentlicht (Proceedings-Band).

Ziele und weiteres Vorgehen

Der Workshop zeigte, dass es notwendig ist, das Netzwerk der Initiativgruppe zu vergrößern und weitere Institutionen einzubinden, um eine nationale Studie erfolgreich durchzuführen. Das RKI kann in seiner Funktion und Verantwortung für die Gesundheitsberichterstattung in Deutschland eine steuernde Rolle einnehmen, während dass UBA vor allem den Bereich Environmental Burden of Disease betreuen kann. Für die Durchführung einer solchen Studie müssen Fördermittel eingeworben werden.

Meilensteine sind:• themenspezifische Aufarbeitung der aus Deutschland in die GBD-Studie eingehenden Daten auf regionaler und nationaler Ebene und Definition von Datenlücken• Aufbau einer indikatorengestützten nationalen Surveillance unter Berücksichtigung von übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten an konkreten Beispielen (z. B. Diabetes-Surveillance)• inhaltliche und methodische Weiterentwicklung, z. B. zur Erfassung sozialer Ungleichheit oder von Geschlechtsunterschieden in der Krankheitslast, zur besseren Berücksichtigung altersspezifischer Gesundheitsprobleme und der Krankheitslast der hochaltrigen Bevölkerung, zur Quantifizierung gesundheitlicher Beeinträchtigungen („disability weights“)• regelmäßiger internationaler Austausch über Workshops und Trainingsprogramme Wir würden uns sehr darüber freuen den Personenkreis der Initiative weiter zu vergrößern. Bei Interesse an der Mitarbeit im Rahmen der Initiative melden Sie sich bitte bei den unter Kontakt stehenden Personen.

Kontakt

Dr. Dietrich Plaß (Umweltbundesamt; dietrich.plass@uba.de)
Dr. Christa Scheidt-Nave (Robert-Koch-Institut; scheidt-navec@rki.de)
Prof. Dr. Hajo Zeeb (Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS; zeeb@bips.uni-bremen.de)

Publikationen

Plass D, Vos T, Hornberg C et al. (2014) Trends in disease burden in Germany: results, implications and limitations of the Global Burden of Disease study. Dtsch Arztebl Int 111(38):629-638

Proceedings of the International Workshop “From Global Burden of Disease Studies to National Burden of Disease Surveillance”. BMC Proceedings 2016, Volume 10: 53-57

Links

Programm des Workshops

GBD 2013 DALYs and HALE Collaborators (2015) Global, regional, and national disability-adjusted life years (DALYs) for 306 diseases and injuries and healthy life expectancy (HALE) for 188 countries, 1990-2013: quantifying the epidemiological transition. Lancet 386(10009): 2145-2191 http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(15)61340-X/abstract

Kongresse

HEC 2016, Thursday, 01 Sep 2016, 15:30 - 17:00

P-4-6 Poster Statistical/Epidemiological Methods, Room: D Dekanatsgang (Location: 1st floor Senatsgang)

Id 447: Results of the International Workshop “From Global Burden of Disease Studies to National Burden of Disease Surveillance”. (Christa Scheidt-Nave, Thomas Ziese, Judith Fuchs, Klaus Kraywinkel, Elena von der Lippe, Tim Eckmanns, Sebastian Haller, Udo Buchholz, Dietrich Plaß)